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07. März 2022

Schulleiter Wolfgang Lang

Schulleiter Wolfgang Lang war von 2010 bis 2013 im Auslandsschuldienst in Ägypten. Im Interview über Teams gibt er Einblicke in den Schulalltag an der Deutschen Schule für Borromäerinnen und verrät, wie seine Erfahrungen aus dieser Zeit seine heutige Arbeit prägen.

Können Sie einen kurzen Überblick über Ihren beruflichen Werdegang geben?

Ich habe Wirtschaftspädagogik auf Diplom studiert, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Pädagogik in Mannheim und in Heidelberg Sport. Der Studiengang Wirtschaftspädagogik hat mich schon immer besonders gereizt, weil man danach sowohl ins Lehramt gehen als auch in der Wirtschaft arbeiten konnte. Ich habe mich dann für den Schuldienst entschieden, unter anderem auch wegen der Möglichkeit des Auslandsschuldienstes. 2002 habe ich mit dem Referendariat an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg angefangen und bin danach für acht Jahre dort geblieben. 2010 bis 2013 war ich im Auslandsschuldienst in Alexandria in Ägypten an der Deutschen Schule für Borromäerinnen, einer Mädchenschule vom Kindergarten bis zum Abitur. Dort habe ich die Fachoberschule geleitet. Nach meiner Zeit in Alexandria kam ich zur ANGELL Akademie.

Was hat Sie zu einem Auslandsschuldienst bewegt?

Der Wunsch, Neues kennenzulernen, neue Menschen, andere Kulturen und meinen Horizont zu erweitern. Es war die Neugierde auf das Leben, andere Schulen, Sprachen, Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten als in Deutschland.

Wie kamen Sie auf Alexandria?

Eigentlich wollten meine Frau und ich nach Südamerika. Als ich mich für den Auslandsschuldienst beworben habe, hat sich allerdings ziemlich schnell der Schulleiter der deutschen Schule in Alexandria bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dort zu arbeiten. Anschließend bin ich mit meiner Familie nach Alexandria geflogen, um mir das Ganze einmal anzusehen. Letzten Endes haben wir uns dafür entschieden, obwohl meine Frau schwanger und unser Sohn erst ein Jahr alt war.

Was haben Sie dort unterrichtet und welche Klassen?

Ich habe Betriebswirtschaft und Sport unterrichtet ab der Klasse 6 bis zum Abitur. Ab und zu habe ich auch Vertretungen in der Grundschule gemacht.

Erinnerungsfoto aus der Zeit in AlexandriaWie sah Ihr Alltag an der Schule in Alexandria aus?

Die Schule hat um 7:20 Uhr mit dem Fahnengruß begonnen. Das bedeutet, die ganze Schule stand auf dem Schulhof und hat die Nationalhymne gesungen und manchmal wurden auch Ankündigungen gemacht. Der Schulsport fand entweder auf dem Schulhof oder im Stadion von Alexandria statt. Der Schulalltag war sehr stark von unsicheren Situationen, bedingt durch den Arabischen Frühling, geprägt. Es gab viele Dinge, die wir als Schulleitung spontan entscheiden mussten.

Kann man sich die Schule und den Unterricht dort in etwa so vorstellen, wie wir es hier kennen oder gibt es wesentliche Unterschiede?

Grob ist es schon so, wie wir es hier kennen. Da Alexandria eine Millionenstadt ist, werden die Schülerinnen dort allerdings mit dem Bus abgeholt. In der Schule lernen sie, selbstbewusst zu werden, kritisch und pluralistisch zu denken. Viele der Schülerinnen gehen danach auch ins Ausland, um zu studieren.

Was haben Sie aus der Zeit dort für Ihre Arbeit hier an der ANGELL Akademie mitgenommen?

An der Schule in Alexandria habe ich z.B. das pädagogische Qualitätsmanagement kennengelernt, das wir hier auch eingeführt haben. Zusätzlich zu den vielen guten Sachen, die wir hier schon hatten und täglich weiterentwickeln, fließt einiges aus meiner Zeit in Heidelberg und meiner Erfahrung in Alexandria in den Schulalltag hier in Freiburg ein. Auch für die Pandemiesituation habe ich unglaublich von der Revolutionserfahrung profitiert. Es gab auch hier viele neue Situationen, in denen ich mich oft an die Zeit in Ägypten erinnert habe. Meine wichtigste Erfahrung aus dieser Zeit ist, dass es immer weitergeht und das Glas oft halb voll ist. In der Regel ist immer alles für etwas gut, auch wenn man es in dem Augenblick nicht erkennt.

Was haben Sie über das Land und die Menschen dort erfahren?

Dass sie unglaublich freundlich und hilfsbereit sind. Sie geben sehr viel, egal wie wenig sie haben. Es wird viel gelacht und das Leben wird trotz der vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehr genossen und findet hauptsächlich im Freien statt. Allerdings habe ich auch erlebt, dass Menschen wegen der sich wandelnden politischen Situation Angst hatten.

Schulleiter Wolfgang Lang

Wie kamen Sie an die ANGELL Akademie?

Als Familie haben wir uns entschieden, Ägypten zu verlassen. Wir haben uns dort total wohlgefühlt, aber es war auch ein sehr schwieriger Alltag mit zwei kleinen Kindern. Wir wollten in die Nähe der Familie ziehen und ich wollte weiterhin in der Schulleitung arbeiten. Ich war hier, um mir ein paar Schulen anzuschauen. Das Gespräch mit der Schul- und Geschäftsführung der ANGELL Akademie hat mir dann am meisten zugesagt.

Sie haben an staatlichen Schulen unterrichtet und arbeiten nun an einer Schule in freier Trägerschaft. Was sind die wesentlichen Unterschiede?

Zunächst einmal sind der Lehrplan, das Abitur und die Standards die gleichen. Was besonders die ANGELL Akademie auszeichnet, ist, dass wir die Schüler*innen in den Mittelpunkt unserer Überlegungen stellen und unser Konzept so darum bauen, dass wir ihnen möglichst alle Hilfestellung geben, die sie benötigen, um die angestrebten Schulabschlüsse zu erreichen. Was uns mit Sicherheit auszeichnet, ist der enge Kontakt mit den Schüler*innen und den Familien. Zudem unser pädagogisches Programm, die Dalton-Pädagogik und ein Kollegium, das sehr offen für Neuerungen ist. Was wir auch genießen, ist die Freiheit, die Schularten einzuführen, die wir für richtig halten, wie zuletzt die Erzieherausbildung und die technischen Gymnasien beginnend zur Klasse 8 und 11. Das ist an den staatlichen Schulen nicht ohne weiteres möglich.

Gänzlich unterschiedlich ist der Weg, wie die Schüler*innen zu den Schulen kommen. Als ich an der staatlichen Schule gearbeitet habe, habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wo die Schüler*innen her kommen und ob die angebotenen Schularten nachgefragt sind. Das ist jetzt völlig anders. Während sich bei den staatlichen Schulen die Schüler*innen anonym online um einen Schulplatz bewerben, nehmen wir uns im Schulleitungsteam für jede neue Schülerin und jeden neuen Schüler Zeit für ein individuelles Aufnahmegespräch. In diesem beraten wir jedes Kind seinen Interessen und Bedürfnissen entsprechend und finden gemeinsam die passende Schulart.

Darüber hinaus empfinde ich es als einen großen Vorteil, dass wir unser Team zusammenstellen können und die Mitarbeiter*innen selbst aussuchen und uns diese nicht zugewiesen werden. Gleichzeitig entscheiden sich auch die Mitarbeiter*innen bewusst für uns, was insgesamt zu einer hohen Identifikation und einem tollen Team bei der ANGELL Akademie führt.

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