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07. März 2012

SchulpsychologinSeit drei Jahren ist Dorothea Gloderer als Beratungslehrerin an der ANGELL Akademie tätig. Frau Gloderer ist ausgebildete Lehrerin, Beratungslehrerin, Diplom-Pädagogin, Coach und Mediatorin. Über das, was alles zu ihren Aufgaben gehört und wie sie Schülerinnen und Schülern hilft, haben wir uns mit ihr unterhalten.

ANGELL News: Frau Gloderer, was genau machen Sie als Beratungslehrerin?

Dorothea Gloderer: Allgemein formuliert biete ich Schülerinnen und Schülern, die sich in einer Lern-, Leistungs- oder Lebenskrise befinden, meine Unterstützung an.

Mobbing, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung) und Magersucht sind Begriffe, die die öffentliche Debatte prägen. Mit welchen Problemen kommen die Schüler zu Ihnen?

Die Probleme nehmen insgesamt zu, es sind allerdings nicht nur seelische Probleme, sondern oft auch körperliche Beschwerden, die zu Krisen führen. Die Jugendlichen kommen z. B. mit Beziehungsproblemen oder wegen familiärer Situationen, die sie als belastend erleben. Einige Schülerinnen und Schüler suchen auch das Gespräch mit mir, weil sie Fragen zu Studium und Ausbildung haben und sich dabei Hilfe wünschen.

Regelmäßig ist von einem erhöhten Leistungsdruck die Rede, unter dem die Schüler heute besonders stünden. Wie schätzen Sie dies ein?

Ich beobachte, dass es vielfach einen Perfektionsanspruch gibt, dem die Jugendlichen nicht gerecht werden können. Oft ist es so, dass sich die Schülerinnen und Schüler selbst unter Druck setzen, also nicht unbedingt die Eltern dafür verantwortlich sind. Die Leistungsbezogenheit unserer Zeit spielt dabei eine große Rolle.

Wie sieht denn ein typisches Gespräch mit Ihnen aus?

Die Jugendlichen wissen, dass das Gespräch selbstverständlich vertraulich ist und können sich so zunächst einmal die Probleme von der Seele reden. Danach arbeiten wir sehr lösungsorientiert. Es geht also weniger um die akribische Aufarbeitung von Ursachen, sondern darum, konkrete Hilfestellung zu geben. Im Vordergrund steht immer die Verbesserung der Situation. Die Jugendlichen sollen dabei erfahren, dass sie selbst handeln und ihre Situation verbessern können, damit sie nicht in eine Opferrolle verfallen. Man spricht hier von der sogenannten Selbstwirksamkeit, was bedeutet, dass Menschen sich in ihrem Handeln als wirksam erleben.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Vergleich zu der eines Klassenlehrers?

Nach wie vor haben die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer eine sehr wichtige Aufgabe, denn sie stehen im direkten Kontakt mit der Klasse und sind daher oft die ersten Ansprechpartner. Ich sehe meine Aufgabe als Ergänzung. Da ich außerhalb des Unterrichtsalltags agiere und die Gespräche vertraulich bleiben, können sich die Schüler mir leichter anvertrauen.

Was würde Ihnen die Arbeit erleichtern?

Man sollte schon Kindern vermitteln, dass sie einzigartig sind und ihr Augenmerk stärker auf die Dinge richten, die sie gut können und so ihr Selbstbewusstsein stärken. Ebenso ist es wichtig, Fehlertoleranz zu lernen und sich selbst und andere auch mit ihren Fehlern zu akzeptieren.

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