Der Biologieunterricht verlagerte sich am 18. Dezember für unseren Kurs an einen besonderen Lernort: die Dreisam, das prägende Fließgewässer Freiburgs. Statt Theorie im Klassenzimmer stand diesmal das direkte Erleben eines Ökosystems im Mittelpunkt.
Gemeinsam mit Lehrerin Siri Mahler untersuchten die Schülerinnen und Schüler den Fluss aus ökologischer Perspektive und machten sich auf die Suche nach Antworten auf eine zentrale Frage des Unterrichts: Wie lässt sich die Gesundheit eines Gewässers erkennen? Die Dreisam entspringt im Schwarzwald und durchzieht Freiburg als wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig ist sie ein Beispiel dafür, wie sich menschliche Nutzung und Naturschutz über die Jahre verändert haben. Während der Fluss früher stark reguliert und begradigt wurde, spielen heute Renaturierungsmaßnahmen eine große Rolle. Ziel ist es, natürliche Strukturen wiederherzustellen, Lebensräume zu verbessern und die ökologische Durchgängigkeit für wandernde Arten zu sichern.

Ausgerüstet mit Messgeräten bestimmten die Schülerinnen und Schüler zunächst abiotische Faktoren wie Wassertemperatur und pH-Wert. Diese physikalischen Bedingungen bilden die Grundlage für das Leben im Fluss und beeinflussen maßgeblich, welche Arten sich ansiedeln können. Besonders spannend wurde es bei der Untersuchung der Gewässergüte anhand von sogenannten Zeigerorganismen. Der Fund von Köcherfliegenlarven zeigte eindrucksvoll, wie biologische Indikatoren Rückschlüsse auf die Wasserqualität erlauben und machte die Theorie rund um den Saprobienindex greifbar. Begleitend zur praktischen Arbeit hielten die Lernenden kurze Referate zu verschiedenen Aspekten des Ökosystems Fluss: von abiotischen und biotischen Faktoren über Nahrungsnetze bis hin zu Renaturierungsmaßnahmen entlang der Dreisam. Dadurch entstand ein lebendiger Austausch zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und eigenem Wissen.
Ein weiterer Höhepunkt war der Spaziergang zu den Fischtreppen, wo anschaulich erklärt wurde, wie solche Bauwerke Wanderhindernisse überwinden helfen und Fischarten ermöglichen, verschiedene Flussabschnitte wieder zu erreichen. Hier wurde deutlich, dass Naturschutz nicht nur aus Theorie besteht, sondern aus konkreten Maßnahmen, die sichtbar und messbar sind. Die Exkursion machte deutlich, wie wertvoll Lernen außerhalb des Klassenzimmers sein kann. Die Dreisam wurde an diesem Tag zum offenen Labor – ein Ort, an dem ökologische Zusammenhänge nicht nur besprochen, sondern direkt erlebt werden konnten.