Am 16.03. bekam die Klasse 9a in der 4. und 5. Stunde besonderen Besuch: Zwei Mitglieder der Anonymen Alkoholiker, Rebecca und Franz, waren im Unterricht von Frau Lemoye zu Gast und sprachen offen über ihre persönlichen Erfahrungen mit Alkoholabhängigkeit.
Im Mittelpunkt stand dabei eine klare Botschaft: Alkoholismus ist eine Krankheit – und kein Zeichen von Willensschwäche. Anhand ihrer Lebensgeschichten wurde deutlich, wie schleichend sich eine Abhängigkeit entwickeln kann und wie lange Betroffene nach außen scheinbar „funktionieren“, während sie innerlich längst kämpfen.
Rebecca schilderte eindrücklich ihren Weg: Alkohol wurde über Jahre hinweg zu einem Mittel gegen Angst, Unruhe oder Schlafprobleme – bis sie erkannte, dass sie Hilfe braucht. Rückschläge gehörten dazu, doch durch eine Selbsthilfegruppe fand sie schließlich Stabilität. Heute lebt sie abstinent und beschreibt ihr Leben ohne Alkohol als große Befreiung.
Auch Franz berichtete offen davon, wie sich die Sucht auf sein Berufsleben auswirkte. Er musste beruflich neue Wege einschlagen, fand aber durch Ehrlichkeit und Unterstützung wieder zurück in eine Tätigkeit, die ihm Freude macht.
Die beiden Gäste gaben zudem Einblicke in die Arbeit der Anonymen Alkoholiker – einer weltweiten Selbsthilfegemeinschaft, die bereits in den 1930er-Jahren in den USA entstanden ist. Ihr Grundgedanke ist bis heute derselbe geblieben: Menschen unterstützen sich gegenseitig auf dem Weg aus der Sucht.
Dabei steht nicht Therapie im klassischen Sinne im Vordergrund, sondern der Austausch auf Augenhöhe. In sogenannten „Meetings“ berichten Betroffene freiwillig von ihren Erfahrungen – ein Prinzip, das vielen hilft, den Kreislauf der Abhängigkeit zu durchbrechen. Ein wichtiger Impuls des Besuchs war auch der Umgang mit Betroffenen im eigenen Umfeld. Statt Vorwürfen gehe es darum, ehrlich und wertschätzend zu kommunizieren. Ein Beispiel: nicht anklagen, sondern sagen, was man beobachtet und sich wünscht – etwa als Freund, Familienmitglied oder auch im beruflichen Kontext.
Auch das Thema Prävention wurde angesprochen. Zwar könne man Konsumverhalten nicht direkt steuern, doch solche Gespräche könnten einen wichtigen „Samen“ setzen. Vielleicht erinnere sich jemand Jahre später an das Gehörte – und finde dadurch den Mut, Hilfe zu suchen.
Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen – zu persönlichen Erfahrungen, zum Alltag mit der Krankheit und zu Hilfsangeboten. Der Besuch hinterließ einen bleibenden Eindruck und zeigte, wie wichtig es ist, offen über Suchterkrankungen zu sprechen.
Ein Unterricht, der nachwirkt – und deutlich macht: Es gibt Wege. Und es gibt Hoffnung.