Wie kann man Kritik äußern, ohne zu verletzen? Und wie kann man Feedback annehmen, ohne sofort in eine Rechtfertigung zu gehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Klasse 8 in einer Klassenlehrerstunde im Deutschunterricht bei Siri Mahler. Ziel der Doppelstunde war es, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass Feedback ein wichtiger Bestandteil eines respektvollen Miteinanders ist – und im besten Fall sogar ein Geschenk.

Denn wer Feedback gibt, zeigt Interesse an einer Beziehung und daran, dass sich das gemeinsame Zusammenleben verbessert.

Feedback geben und annehmen lernen

Zu Beginn wurden gemeinsam grundlegende Feedbackregeln besprochen. Dazu gehört vor allem, dass Rückmeldungen in Ich-Botschaften und bezogen auf konkrete Situationen formuliert werden – ohne Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“.

Ebenso wichtig ist die Haltung der Person, die Feedback erhält: Sie hört zunächst ohne zu widersprechen zu und bedankt sich für die Rückmeldung. Um das Gehörte einordnen zu können, stellte Siri Mahler ein einfaches Modell vor. Innerlich kann man Feedback in drei Kategorien sortieren:

  • Ja, das stimmt.
  • Vielleicht – darüber denke ich nach.
  • Nein, das passt für mich nicht.

So bleibt die Verantwortung beim Feedbacknehmenden, selbst zu entscheiden, was er oder sie aus der Rückmeldung mitnimmt.

Das Karten-Feedback

Im Anschluss probierte die Klasse eine strukturierte Methode aus: das Karten-Feedback. Dabei stehen verschiedene farbige Karten für unterschiedliche Arten von Rückmeldung:

  • Grün: „Darüber habe ich mich gefreut.“
  • Gelb: „Das hat mich gestört.“
  • Rot: „Das hat mich sehr verletzt oder wütend gemacht.“
  • Blau: „Ich wünsche mir …“
  • Weiß: „Entschuldigung.“

Bevor jemand eine Rückmeldung gibt, wird zunächst gefragt, ob die andere Person gerade bereit ist, Feedback anzunehmen. Erst dann wird die Karte übergeben und die Rückmeldung ausgesprochen.

Erst Wertschätzung – dann Kritik

Die Feedbackrunde begann bewusst mit einer positiven Phase: Jede Schülerin und jeder Schüler verteilte zunächst eine grüne Karte. Dadurch erhielt jede Person aus der Klasse ein wertschätzendes Feedback – eine wichtige Grundlage für eine vertrauensvolle Atmosphäre.

In einer zweiten Runde konnten auch kritische Rückmeldungen gegeben werden. Diese waren jedoch bewusst begrenzt: Jede Person durfte höchstens eine gelbe oder eine rote Karte vergeben. Wünsche, positive Rückmeldungen oder Entschuldigungen konnten dagegen häufiger ausgesprochen werden.

Kommunikation als Prävention

Das Karten-Feedback ist mehr als nur eine Übung zur Kommunikation. Es dient auch der Stärkung der Klassengemeinschaft und der Gewaltprävention. Konflikte können frühzeitig angesprochen werden, bevor sie eskalieren oder zu Ausgrenzung und Mobbing führen.

Gleichzeitig lernen die Schülerinnen und Schüler, mutig und respektvoll miteinander zu sprechen, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen und konstruktiv mit Kritik umzugehen. Am Ende der Stunde reflektierte die Klasse gemeinsam die Erfahrung: Was hat sich gut angefühlt? Was war schwierig? Und worauf möchte man beim nächsten Mal besonders achten?

Die Rückmeldungen zeigten deutlich: Wenn Feedback respektvoll gegeben wird, kann es Beziehungen stärken und das Klassenklima nachhaltig verbessern.

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