Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien wurde es literarisch: Die 11. Klassen versammelten sich zur Prämierung des stufenübergreifenden Kurzgeschichtenwettbewerbs, der im Rahmen der Unterrichtseinheit „Kurzprosa“ im Fach Deutsch stattfand.

Ausgangspunkt des Wettbewerbs waren vier Koffer – bewusst rätselhaft, offen für Deutung, voller Möglichkeiten. Entworfen wurden sie von den vier Deutschlehrkräften der Jahrgangsstufe 11: Olliver Niemand, Veronika Gäng, Anne Brugger und Stefanie Thoma.

Jeder Koffer setzte einen eigenen Schreibanlass, der jedoch keine inhaltlichen Vorgaben machte. Wie die Schülerinnen und Schüler die Koffer „verarbeiten“, interpretieren oder auch hinter sich lassen wollten, blieb ihnen vollständig selbst überlassen. Die formalen Grundlagen – Merkmale der Kurzgeschichte, Verdichtung, offenes Ende, reduzierte Figurenzeichnung, symbolische Motive – waren zuvor ausführlich in der Unterrichtseinheit „Kurzprosa“ erarbeitet worden.

Auf dieser Basis entstanden sehr unterschiedliche Texte, die zeigten, wie vielfältig ein gemeinsamer Impuls literarisch umgesetzt werden kann.

Die prämierten Kurzgeschichten 
(Download der vollständigen Texte)

🥉 3. Platz – „Schwäne“ (Anemone Blum)

Die Kurzgeschichte erzählt von innerem Leistungsdruck und dem Wunsch nach Ruhe und Selbstauflösung. Der Koffer erscheint hier als metaphorisches Bild für einen überfüllten Kopf, für Erwartungen und innere Unordnung. Stilistisch arbeitet der Text mit innerem Monolog, Wiederholungen und einer ruhigen, bildhaften Naturmetaphorik. Der See und die Schwäne stehen als Gegenpol zur inneren Enge – für Leichtigkeit, Gleichgewicht und das Bedürfnis, einfach „sein zu dürfen“.

🥈 2. Platz – „Gestohlene Identität“ (Thalia Riccardi)

Ausgehend von einer Koffer-Verwechslung am Flughafen entwickelt der Text eine dichte, fast filmische Atmosphäre. Der Koffer wird hier zum Auslöser einer Identitätsverschiebung: Wer bin ich, wenn ich jemand anderes sein könnte? Die Geschichte überzeugt durch präzise Bilder, Andeutungen statt Erklärungen und eine steigende Spannung. Besonders wirkungsvoll ist das Spiel mit Masken, Rollen und Wahrnehmung, das in einem offenen, nachhallenden Ende mündet.

🥇 1. Platz – „Zwischen den Rissen“ (Jara Braun)

Die Siegergeschichte greift das Motiv des Koffers als Symbol für Zerrissenheit und Heimatlosigkeit auf. Erzählt wird aus der Perspektive eines Kindes im Wechselmodell, dessen Leben zwischen zwei Welten pendelt. Der Text zeichnet sich durch eine klare, reduzierte Sprache, starke Alltagsbilder und eine hohe emotionale Dichte aus. Wiederkehrende Motive wie Regen, Linien und Risse strukturieren die Erzählung.

Ein kleiner Moment der Nähe wird zum Hoffnungsschimmer – leise, aber nachhaltig.

Literarische Vielfalt aus einem gemeinsamen Impuls

Der Wettbewerb zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich ein identischer Schreibanlass literarisch umgesetzt werden kann: vom inneren Monolog über psychologische Spannung bis hin zu sozialem Realismus. Die Koffer wurden zu Projektionsflächen für Themen wie Identität, Druck, Verlust, Freiheit und Neubeginn.

Alle prämierten Kurzgeschichten werden unter dem Link oben veröffentlicht. Ein gelungener Abschluss des Jahres – und ein starkes Beispiel dafür, wie kreativ, reflektiert und sprachlich präzise junge Menschen schreiben können, wenn man ihnen Raum lässt.

 

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