Ein Bericht von der Lehrerin Veronika Gäng
Knapp zwei Jahre nachdem ich die Schülerinnen und Schüler der 12D als 11. Klässler*innen kennengelernt habe, sitze ich als Begleitperson für die Klassenfahrt mit Herrn Bleier am Busparkplatz und warte im Dunklen auf die Klasse und den Bus, der uns über Nacht nach Nizza bringen wird. Gefühlt ist es schon lange her, dass wir mit der Klasse das Outdoor-Teamtraining zu Beginn des 11. Schuljahres gemacht haben – und seitdem ist doch auch schon einiges passiert.

„Auf wen treffe ich heute eigentlich?“, frage ich mich. Haben sie sich verändert? … die nächsten Abiturient*innen? Nein, das Abitur ist doch noch ein gutes Stück weit weg, aber Elfties sind es eben auch nicht mehr. Wir befinden uns also in irgendeinem Vakuum dazwischen. Zwischen Ankommen und Gehen. Zwischen Schüler*innen-Sein und Erwachsenen-Dasein – ein Zwischenraum, den wir manchmal auch mit Kopfschütteln vor allem aber mit viel Freude aus der Beobachterperspektive genießen durften.
Am Mittwochmorgen kamen wir in Nizza an, konnten noch nicht einchecken, haben Gepäck und den Geburtstagskuchen (happy birthday!) auf der Terrasse des Hostels zwischengelagert und sind aufgebrochen zur Hafenrundfahrt. Während wir über das blaue Wasser rauschten, war dem ein oder anderen schon sehr nach schlafen zumute, einige gewannen aber den Kampf gegen die schweren Augenlider und bestaunten Motoryacht um Motoryacht, die im Hafen Nizzas stets „ankern“ – oder soll man sagen „zur Schau stehen“.

Ein bisschen komme ich mir vor wie im Zoo, wo ich mit meinen Kindern staunend und ehrfürchtig vor dem Leoparden-Gehege stehe. Aber wer beobachtet hier eigentlich wen? Ich sehe Kinder, die aus dem Kofferraum einer Yacht mit kleinen Jetskis los düsen und irgendwo da oben wohnt wohl auch Elton John – und schon bald spekulieren Herr Bleier und ich über die beste Lage mit Aufzug zum Strand, mit Anlegestelle für das eigene Boot und können uns nicht entscheiden zwischen moderner Glasfensterfront über den Felsen oder traditionell mediterraner Hausfassade eingelassen zwischen Olivenbäumen.
Der Gedankenspiele müde lehnen wir uns entspannt zurück und denken glücklich an Zuhause – ohne bestreiten zu wollen, dass ein Glas Champagner auf einer Yacht jetzt im Moment nicht das Schlechteste wäre. Zugegeben, unsere Schüler*innen waren natürlich nicht ganz so nachdenklich wie wir. Da wurden längst die richtigen Spots für das Abendessen recherchiert, Routen zu Stränden verglichen, Kostenplanung für das Uber gemacht und das ein oder andere mehr, worüber wir Lehrkräfte natürlich nichts wissen durften.
Zwischen den Programmpunkten der kommenden Tage, wie die Stadtführung, der Ausflug nach Monaco, der Besuch im Chagall-Museum und das gemeinsame Pizzaessen am Strand hat uns die Klasse mit souveräner Selbstorganisation und dem Mut für das Losziehen in das Unbekannte begeistert. Hier spürten wir den Geist der jungen Erwachsenen, wie sie sich die Stadt zu eigen machten und morgens mit müden und gleichzeitig strahlenden Gesichtern von ihren Erlebnissen erzählten.

Neben manch gequälten Blicken und schülertypischem Augenrollen sahen wir eben auch die Freiheit in Euren Augen – und das ist es doch, was uns am Ende immer verbindet, Lehrer*innen und Schüler*innen, in diesem unbestimmten Dazwischen-Raum, wo man manchmal gar nicht weiß, was kommt und wie es wird: die Freiheit und die Achtung für das Wachsen an sich selbst. Schön war’s mit euch!