Wie wird aus einem persönlichen Erlebnis eine Theaterszene? Und was passiert, wenn andere die eigene Geschichte aufgreifen, verändern und auf der Bühne weitererzählen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schüler*innen der 9. Klasse während eines zweitägigen Theaterprojekts im Rahmen des Deutschunterrichts.
Am Dienstag, 29. September, und Donnerstag, 1. Oktober 2026, arbeitete Kathleen Iselt mit den Jugendlichen zum Schwerpunkt „Biografisches Theater“. Sie ist Theaterpädagogin, Erzählerin und Schauspielerin und arbeitet seit vielen Jahren auch im schulischen Kontext. Begleitet wurde das Projekt von den Lehrkräften Siri, Mala und Frederik Fender. Beim biografischen Theater bildet das eigene Leben das Ausgangsmaterial. Persönliche Erlebnisse, Erinnerungen, Beobachtungen oder einzelne Sätze werden aufgegriffen und anschließend mit den Mitteln des Theaters weiterentwickelt.
Dabei geht es nicht darum, Erlebtes einfach nachzuspielen. Die Geschichten dürfen verändert, verfremdet und kreativ neu erzählt werden. Nach gemeinsamen Aufwärmübungen und einem spielerischen Einstieg ins Theater entwickelten die Schüler*innen zunächst Szenen aus einzelnen persönlichen Sätzen. Diese wurden teilweise an andere Gruppen weitergegeben, die daraus ihre ganz eigenen Geschichten entstehen ließen. Aus einem scheinbar einfachen Satz konnte so innerhalb kurzer Zeit eine überraschende, lustige oder nachdenkliche Szene werden.

Am zweiten Projekttag ging es noch stärker um konkrete biografische Momente. Besonders spannend war zu beobachten, wie reale Erlebnisse durch die Kreativität der Jugendlichen eine völlig neue Wendung bekamen. Eine Szene, die ursprünglich keinen glücklichen Ausgang hatte, erhielt auf der Bühne kurzerhand ein Happy End – inklusive Selfie mit dem Opa. Eine andere Gruppe verwandelte ihre Ausgangsidee sogar in ein Märchen. Kathleen Iselt zeigte sich besonders beeindruckt davon, mit welcher Offenheit sich die Schüler*innen auf die Theaterarbeit einließen.
Viele hatten zuvor nur wenig Theatererfahrung. Trotzdem fanden sich die Jugendlichen schnell in ihren Gruppen zusammen, entwickelten gemeinsam Ideen und brachten ihre persönlichen Perspektiven ein. Auch zurückhaltendere Schüler*innen fanden ihren Platz im gemeinsamen Spiel. Gerade darin liegt eine besondere Stärke der Theaterarbeit: sich auszuprobieren, neue Seiten an sich zu entdecken und zu erleben, wie aus ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten gemeinsam etwas Neues entsteht.
Nach zwei intensiven Vormittagen zeigte sich, wie viel Kreativität in den eigenen Geschichten steckt: Aus kleinen Sätzen wurden Szenen, aus persönlichen Erlebnissen neue Geschichten – und aus dem Deutschunterricht für zwei Tage eine Bühne.

Zur Person:
Kathleen Iselt
Kathleen Iselt ist Theaterpädagogin, Erzählerin und Schauspielerin. Geschichten zum Leben zu erwecken und weiterzutragen, ist ihre große Leidenschaft. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Fantasie, Kreativität und Ausdruckskraft – verbunden mit Sprache, Spiel und Bühnenpräsenz. Bühnenerfahrung sammelt sie bereits seit ihrem siebten Lebensjahr. Heute ist sie sowohl im klassischen Theater als auch im Improvisationstheater aktiv und entwickelt eigene Bühnen- und Erzählformate für Kinder und Erwachsene. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Theaterpädagogik: An Schulen unterschiedlicher Schularten in Freiburg und Umgebung führt sie sowohl längerfristige Projekte als auch themenbezogene Workshops durch. Darüber hinaus konzipiert und leitet sie Theaterworkshops, Storytelling-Seminare und Erzählkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Arbeit verbindet dabei, wie sie selbst es beschreibt, „künstlerische Professionalität mit Spielfreude“.